Irgendwo in Texas sind Corina Freudiger und Miriam Erni. Gemeinsam schreiben sie
Bühnenstücke, die sie (meistens) auch selber aufführen.
Literarische Texte
Journalistische Texte
Moderationen von
Corina Freudiger schrieb Texte für
Das Theater Marie zeigt Melville. Mit Figuren aus Strandgut und einer Version, die ausufert
.
Inmitten rot triefender Tücher und alter Aquarien steht Regisseur Nils Torpus auf der Bühne und sagt: «Ja, ein bisschen wahnsinnig ist es schon!» «Es» meint hier Verschiedenes: den monumentalen Roman von Herman Melville, geschrieben 1851; die Mission, die darin erzählt wird, nämlich der Rachefeldzug des unheimlichen Captain Ahab gegen den stärksten und weissesten Wal der Weltliteratur, der ihn ein Bein und alle Ehre kostete. Und schliesslich die Spinner vom Theater Marie aus dem Binnenkanton Aargau, die Melvilles Wälzer nun auf die Bühne bringen – mit nur zwei Schauspielern und ganz ohne Meer. Dafür mit Figuren und Objekten, die gemeinsam mit Miriam Japp und Michael Schwyter im Rampenlicht stehen. «Der Wal, das Pathos, das alles ist so gigantisch – dafür eine Miniaturwelt zu schaffen, bot sich an», sagt Torpus. Und zeigt, was er und Schwyter aus angeschwemmtem Strandgut bastelten, während Japp zusammen mit Simone von Bühren aus dem Original die Bühnenfassung destillierte: Da ist etwa ein Ruderschiffchen aus einem Lederschuh, die Krücke Ahab aus Treibholz und viele, verschiedene Wale. Oder Teile davon, etwa ein riesiges wissendes Auge. Mit diesen Objekten steuern die Matrosen Ismael und Queequeg dem schäumenden Showdown entgegen. Dass sie dabei öfter referierend vom Kurs abkommen, ist unterhaltsam und liegt in der Natur des Wales. Denn Moby Dick ist nicht nur das Ziel, sondern eben auch eine weisse Fläche, auf die alles Mögliche projiziert werden kann. Wie es auch Melville tat, dessen Roman nicht zuletzt wegen seiner ausufernden Vielschichtigkeit zu einem Klassiker der amerikanischen Literatur wurde.
Züritipp, 23.9.2010, S. 39