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Ulrike Ulrich

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*1968 in Düsseldorf.

Seit 2002 in der Schweiz, schreibt Romane, Kurzprosa, selten Lyrik, mitunter Kolumnen und mit Begeisterung Monologe.

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(Auszug aus dem Roman "fern bleiben"


Es ist voll und warm im Abteil, Lo liegt links unten, über ihr vier schnarchende und hustende Männer. Sie spürt die Bazillen in der überheizten Luft auf sich zusteuern. Wenn sie wenigstens wie­der Musik hätte, um die Geräusche zu übertönen. Mit einem Mal kommt es ihr gänzlich verrückt vor, dass sie freiwillig auf so en­gem Raum mit vier fremden Menschen liegt. Und auch noch vor­hat, in den schutzlosen Zustand Schlaf zu fallen. Sie möchte nicht mehr unter fremden Menschen schlafen. Sie muss auf ihre Wertsachen ach­­ten, die in der Ecke hinter ihrem Kopf liegen.

Sie will einen ge­­schützten Raum, ihre eigene Luft atmen, es gibt hier nur circa sie­ben Kubikmeter Luft für fünf Personen. Das Buch, das Frank ihr geschenkt hat, heißt Die Umarmung. Deswegen oder wegen des Co­vers hat er es wohl ausgewählt. Bestimmt nicht geahnt, wie trau­rig und aussichtslos es ist. Es zieht sie hinein, lenkt sie ab und sie möchte weiterlesen. Sie sollte schlafen, denkt sie, damit sie nicht krank wird, und löscht über ihrem Kopf das letz­­te Licht. Wäre sie doch schon vor den anderen eingeschlafen. Die Bahnhöfe sind zu hell, ihr Rü­cken tut weh, die Brust, sie darf nicht krank werden, das würde alles verun­mög­li­chen.

Der Zug wird so schnell. Er macht eine Vollbremsung. In dieser Lage zu sterben. Jetzt so zu sterben. Sie schreckt auf. Der Zug fährt ganz gleich­mäßig. Sie war kurz weg. Das Schnarchen über ihr schwillt an. Einer hat einen Aussetzer. Lo kann kaum atmen und dreht sich auf den Rücken. Die Tür geht auf. Jemand kommt rein. Eine Frau. Sie behauptet, etwas im Abteil vergessen zu haben. Dann will sie hinter Los Kopf greifen. Lo hält ihr Portemonnaie und das Handy mit beiden Händen fest. Die Frau legt eine Rohr­zange um ihr Handgelenk. Lo ist hellwach. Sie kann hier nicht schlafen.